Wenn das Hüttenfieber ausbricht!

Dieser Bericht hat Ernesto Piazza am 11. März 2019 für die Luzerner Zeitung geschrieben:

 

Auf die Saison 2018/19 hin haben Esther & Guido die Gschweich Hütte von ihren Vorgängern & Besitzern Hedy und Sepp Arnold in Pacht übernommen. Am 10. November 2018 erfolgte der Start und ist jeweils am Wochenende von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Ausserhalb dieser Zeiten gibt es ab 15 Personen auf Voranmeldung «gluschtige» Pfannengerichte – speziell Fondue.

 

An Sonntagen herrscht auf der Hütte Grossandrang. Glücklich kann sich schätzen, wer auf Anhieb an den langen Tischen einen Platz ergattert. Dafür, dass aber niemand weggewiesen werden muss, ist Guido Portmann besorgt. «Wir finden immer eine Lösung», sagt der 69-jährige ehemalige Autoverkäufer. «Ein wenig zusammenrücken» heisst es zuweilen. Und sofort ist man auch auf «Du» und «Du». Der Allrounder ist überall dort anzutreffen, wo Not am Mann ist. Er geniesst sein bewegtes Rentnerleben in vollen Zügen. Seine Frau «Esti» schmeisst die Küche. Und sucht man einen Platz im Cheminée Stübli führt der Weg durch ihr Reich und sie lässt sich sogar in die Kochtöpfe blicken. Auf der Gschweichhütte geht es unkompliziert zu und her – Hüttenleben halt.

 

Die Gastronomie liegt der 47-jährigen Esther Portmann offensichtlich im Blut. So half das Bauernmädchen aus Wilihof schon früh im Restaurant Chommle in Gunzwil mit, absolvierte in der Krone in Nottwil die Kochlehre. Und wenn das «Fieber» später jeweils ausbrach, musste sie etwas dagegen unternehmen. So führte das in Eich wohnhafte Ehepaar von 2000 bis 2008 das Hotel Pagigerstübli im Schanfigg. Dort übernahmen sie einen Betrieb, «der runtergewirtschaftet war», erinnert sich Guido Portmann. Und man habe ihnen nicht zugetraut, diesen auf Vordermann zu bringen. Als ihr Ehemann dann aber krank wurde, «mussten wir nach acht Jahren schweren Herzens das mittlerweile gut laufende Hotel aufgeben», sagt Esther Portmann. Etwas Wehmut sei schon dabei gewesen. 

 

Doch die Gastrofachfrau orientierte sich neu und das Leben in den Bergen elektrisiert sie wieder. Und so kam ein Angebot im richtigen Moment. Vor zwei Jahren erhielten die beiden den Zuschlag als Hüttenwart auf der auf  2113 Meter über Meer gelegenen Galmihornhütte im Obergoms. Dort kann sich Esther Portmann, die in der Zwischensaison auch gerne Cateringjobs übernimmt, voll verwirklichen. «Diese Idee hatte ich schon lange im Kopf», sagt sie. Die Hütte, welche dem Skiclub von Münster gehört, ist jeweils von ende Juni bis ende September bewartet.

 

Geselligkeit und Gemeinschaftssinn sind der Hüttenwartin wichtig.  Spannend ist für sie nicht nur der Umgang mit den Menschen. «Speziell ist auch das Ungewisse, was der jeweilige Tag bringt». Die Gastronomin bewirtet gerne Gäste. In ihrer Arbeit steckt viel Herzblut. Und wenn möglich erfüllt Esther Portmann auch spezielle kulinarische Wünsche. «Zu uns kommt man nicht nur wegen Wurst und Brot», sagt Esther Portmann. Das Hütten «Cordon-bleu» oder der Hirschpfeffer finden grossen Anklang. Der Nussgipfel aus dem Holzofen ist Guidos Domäne.  

 

26 Jahre sind die beiden zusammen. Kennengelernt haben sie sich beim Jodeln. Skitouren und Wandern sind Hobbys von Esther. Zudem ist der 69-Jährige  ein leidenschaftlicher Jasser. Dies mag auf den Hütten zwar etwas zu kurz kommen. Doch er sagt: «Gesellig ist es allemal.»